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Was unterscheidet Yoga von Sport?

Hast du deine Persönlichkeitsentwicklung oder direkt deine Leistung im Fokus?


Wir können jeden Sport auch yogisch betreiben. Tun dies aber für gewöhnlich nicht in bewusst ausgeprägter Form.

Yoga beinhaltet Achtsamkeit

Etwas ganz bewusst zu betreiben und zu üben, es immer noch etwas bewusster auszuführen, das ist ein Aspekt des Yoga. Yoga ist deshalb ein Bewusstseinszustand, in dem folgende Aspekte wichtig sind:

Wir gehen beim Yoga ohne Druck, ohne Ehrgeiz, an die Sache ran.

Wir üben so bewusst wie möglich wahrzunehmen, wie sich das, was wir gerade im Hier und Jetzt tun, die Lebenssituation, in der wir uns gerade befinden, anfühlt.

Wir machen eine Art Bestandsaufnahme, wie unsere Lebenssituation mit unseren Gefühlen und mit unseren Handlungen zusammenhängt.

Wir beobachten diese Zusammenhänge intensiv und in Ruhe — live —, während wir unsere Übungen machen oder im Alltag, wenn wir einfach unser Leben leben, ohne uns auch noch über das, was wir beobachten, zusätzlich immer viele Gedanken und große Gefühle zu machen.

Die Gefühle allerdings, die wir beobachten, die sich direkt aus unseren Übungen oder unserem Alltag ergeben, stehen ganz im Vordergrund.

Diese ruhige Bestandsaufnahme, dieses geduldige Beobachten, das Beachten und Annehmen, wie wir es gerade wahrnehmen, wie es für uns gerade ist, setzt für gewöhnlich einen automatischen Veränderungsprozess in Gang, der insgesamt unsere Lebenssituation positiv beeinflusst.

Dies nennen wir Achtsamkeit.

Automatischer Lernprozess

Achtsamkeit setzt einen automatischen Lern- und Veränderungsprozess in Gang, der unsere Lebenssituation langfristig verbessert:

Dieser Automatismus ist Teil von uns. Wir können uns sehr gut auf ihn verlassen, denn er ist die ureigenste Lebensgrundlage unserer Existenz.

Durch achtsames Verhalten setzen wir also eine Persönlichkeitsentwicklung in Gang. Sie schärft unsere Sinne, unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein.

Wir lernen wie unser Leben ist, wie es zusammenhängt, und lernen wie wir unser Leben verändern können, damit es besser wird.

Ein zentraler Regelprozess unseres Lebens

Unser Leben, unsere ganze Existenz, wird durch einen Regelprozess gesteuert.

Dieser zentrale Regelprozess ist Teil unserer strukturellen Existenz, denn auf ihm basiert unser Wohlgefühl, unser Wohlbefinden und letztlich unser Überleben.

Er ist der Elementarprozess unseres Lebens, weil er alle unsere biologischen Regelprozesse koordiniert, unser Leben organisiert.

Dieser Regelprozess verbindet unsere Lebenssituation mit unseren Gefühlen, unseren Antrieben und unseren Handlungen in einen Kreislauf: Wir lernen, Wie unsere Lebenssituation mit unseren Gefühlen zu ihr, mit unseren Antrieben, die aus diesen entstehen, und mit unseren Handlungen — inklusive unseres Denkens —, die zu einer neuen Lebenssituation führen, im Zusammenhang stehen.

Ich nenne diesen Regelprozess den Achtsamkeitsprozess.

Yoga tunt und justiert in besonderem Maß unseren Achtsamkeitsprozess und ermöglicht uns so eine angenehmere, gesündere Existenz.

Atmen heißt Leben

Im Zentrum des Achtsamkeitsprozesses steht unsere Atmung.

Unsere Atmung spielt bei unserer Wahrnehmung, bei unserer Bewusstheit, in unserer Achtsamkeit, in unserem Achtsamkeitsprozess eine entscheidende Rolle.

Unter anderem ist dies so, weil die Atmung unser Unterbewusstsein mit unserem Bewusstsein verbindet.

Damit ist sie bei unserer Bewusstwerdung eine dynamische Brücke von unserem Unterbewusstsein in unser Bewusstsein.

Je bewusster, harmonischer und tiefer wir atmen, desto intensiver und stabiler wird diese Brücke.

Die Stabilität unserer Psyche wird im Wesentlichen von unserer Atmung bestimmt.

Unsere zentrale Körperstabilität beruht auf unserer Atemspannung.

Unsere psychische und körperliche Bewegung gleitet quasi auf unserer Atmung.

Kein Wunder also, dass unsere Atmung zutiefst mit unserer Psychosomatik verknüpft ist.

Sport bedeutet oft Ehrgeiz — Yoga eher Persönlichkeitsentwicklung

Wir sehen also, was Sport und Yoga unterscheiden kann. Denn Sport wird von uns oft mit einem gewissen Ehrgeiz betrieben, mit einer Leistungs- und Lernorientierung.

Yoga hat hingegen eine Wahrnehmungs-, Bewusstseins-, Achtsamkeits- und Lernorientierung. Unser Leistungsziel steht nicht im Mittelpunkt, sondern unsere Persönlichkeitsentwicklung und unser Wohlgefühl und Wohlbefinden. Dies setzt einen anderen Lernprozess in Gang als leistungsorientierter Sport.

Yoga Asanas können sportlich sein

Aber natürlich können wir Yoga Asanas auch sportlich, mit mehr Ehrgeiz, betreiben. Dann reduziert sich der Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung.

Jeder muss selber entscheiden, was für ihn das Richtige in dem Moment ist. Da gibt es nichts negatives daran, kein richtig oder falsch.

Es ist dann nur nicht wirklich Yoga, sondern Sport, denn die Philosophie hinter dem Yoga, ihre anvisierte Persönlichkeitsentwicklung, macht das Yoga ja gerade aus. Denn Asanas sind in der Philosophie des Yoga kein Selbstzweck.

Yoga kann Leistung als Leuchtturm enthalten

Im Yoga kann Leistung als eine Art diffuser Leuchtturm am Horizont vorkommen, den wir im Sinne des Spaßes an Leistungen, eines guten Gefühls dabei, im Augenwinkel als Orientierung mit im Blick haben können.

Wer in diesem Sinne versucht auf seinem Weg direkt zur Leistung zu kommen, der wird niemals dieselbe Leistung erreichen, wie derjenige, der an Leistung zwar auch Spaß hat, aber bei dem der Spaß an seiner Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund steht.

Die Persönlichkeitsentwicklung nimmt viele Umwege und verändert mehr in uns, als das reine Leistungsziel. Sie befähigt uns oft erst das, was wir auch gerne erreichen würden — vielleicht die Leistung —, so wie wir es gerne erreichen würden, erst erreichen zu können. Jedoch ändert sich auf diesem Weg die Bedeutung der Leistung für uns für gewöhnlich. Sie wird weniger wichtig.

Leistung ist so ein mögliches Nebenprodukt unserer Persönlichkeitsentwicklung, weil wir uns so entwickeln, dass es sich gut anfühlt, es also gut funktioniert und rund läuft, und eine gute Leistung damit natürlich oft auch möglich wird.

Sport kann yogisch sein

Yoga ist eben nicht dasselbe wie Sport. Aber sportliche Betätigung kann zu Yoga werden, wenn wir ihr mit dem Augenmerk der Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung begegnen.

Yoga Asanas sportlich zu betreiben ist oft ein Einstieg, dass wir uns beginnen für Yoga zu interessieren. Die Asanas und ihre Kombination zu Abläufen, wie dem Sonnengruß und seinen Variationen, sind in der Regel so gestaltet — mit tiefer Atmung im Vinyasa verbunden —, dass die Asanas nach längerer Praxis dazu anregen, sich mit der Philosophie hinter dem Yoga, also auch mit Persönlichkeitsentwicklung, zu beschäftigen.

Sport ist wunderbar und im Allgemeinen sehr gesund. Ich betreibe ihn seit jungen Jahren und mache dies auch heute noch sehr gerne, allerdings jetzt mit yogischem Augenmerk.

Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden.

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Stand 30. März 2019, 14:00 CET.