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Vortrag: Physik, Achtsamkeit und Yoga

Was hat Physik mit Leben und Yoga zu tun?


Und welche Rolle spielt dabei der Achtsamkeitsprozess?


Begrüßung

Je nach Anlass und Ort …

Zu meiner Person

Je nach Anlass und Ort …

Wie ich zu dem Thema komme?

Mich hat schon seit Kindertagen interessiert, wie unsere Welt und unsere Natur wohl funktionieren; und natürlich auch, wie das mit mir selber eigentlich ist. Ich fand Astronomie genauso klasse, wie die Tiere und Pflanzen auf unserer Erde. Für mich waren Technik, Weltraum und belebte Natur kein Unterschied. Dies alles gehörte für mich einfach zusammen.

Je älter ich wurde und je weiter ich in die Technik, die Wissenschaft der Kosmologie sowie der kleinsten Teilchen und auch in die Biologie eintauchte, desto mehr empfand ich, dass diese Dinge vom Verständnis her als getrennt betrachtet wurden. Und so geht die Gesellschaft mit diesen Dingen bis heute im Allgemeinen um, ob gewollt oder notgedrungen. Mit meinem eigenen Erleben, wenn ich Menschen, Tieren und Pflanzen begegne, hat diese Art Wissenschaft zu betreiben leider oft wenig, zu wenig, zu tun.

In mir hat sich bis heute der Wunsch und das Bedürfnis gehalten, diese Dinge näher zusammen zu bringen. Denn ich denke nicht, dass unser tägliches Erleben und Verstehen etwas völlig anderes ist, als wenn wir naturwissenschaftliche Beobachtungen machen und diese zu erklären versuchen. Und es sollte in meinen Augen auch nichts ganz anderes sein, denn dass Zusammenbringen dieser Perspektiven unseres Lebens hat mich immer schon sehr bereichert und weiter gebracht.

Aus meinen Überlegungen entstand eine eigene Physiktheorie, die fraktale Quanten-Fluss-Theorie. Durch mein Yoga kam ich durch die neue Physiktheorie schließlich auf eine neue Natur- und Lebensphilosophie, das ›Spannungsspiel des Lebens‹. Zu beiden Theorien habe ich eine Internetseite, auf der ich sie live entwickel. Die Seiten sind also nicht vollständig, sondern im Prozess.

Ich möchte also die Erkenntnisse und die Erfolge der Wissenschaft und Technik nicht klein reden, sogar ganz im Gegenteil. Mich bewegt vielmehr, dass die heutige Wissenschaft und Technik ihren Bezug zu der Mehrheit der Menschen und zu unserem Alltag immer weiter verliert. Und dies, obwohl beides für unsere Gesellschaft zunehmend an Bedeutung und Einfluss gewinnt. Und mich bewegt, dass sich Wissenschaft und Technik dadurch gleichzeitig so in ihren Möglichkeiten und in ihren Bedeutungen für unsere Gesellschaft und für jeden einzelnen Menschen beschränken, also deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

Wissenschaft und Technik sind für mich kein Selbstzweck. Sie werden von uns allen ermöglicht wie auch getragen und sie sollten uns allen dienen.

Da ich diese Sichtweise im Grunde schon seit damals und mit zunehmendem Alter immer differenzierter in mir trage, schaue ich schon lange mit diesem Auge auf die Dinge, die mir begegnen. Wohl auch deshalb sind mir im Laufe der Zeit Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Disziplinen und unserem Alltagsleben aufgefallen, die mir nach und nach die Augen geöffnet haben. So hat es sich für mich jedenfalls angefühlt. Und diese Faszination möchte ich Ihnen gerne näher bringen und freue mich, sollte diese auf Sie überspringen.

In der Wissenschaft wird es dann besonders interessant und spannend, wenn wir bekannte Prinzipien auf andere Gebiete übertragen können und damit in die Lage kommen, neue Einsichten zu gewinnen und bisher unbekannte Schlussfolgerungen zu ziehen. Dies kann gelingen, wenn wir es schaffen, durch eine neue Perspektive Verbindungen zwischen den Gebieten zu entdecken. Genau das möchte ich im Folgenden mit Ihnen gemeinsam tun.

Meine Thesen

In meinem Vortrag und der anschließenden Diskussion sollen meine folgenden Thesen eine Perspektive schaffen, aus der eine Verbindung zwischen der Physik, der Achtsamkeit und dem Yoga sichtbar wird. Auch möchte ich den sich ergebenden Mehrwert dieser Perspektive verdeutlichen.

1. In der Physik wie auch im Leben haben alle Veränderungen zwei Aspekte: Stabilität und Entwicklung.

2. Eine Analyse dieser gemeinsamen Perspektive auf die Physik und das Leben zeigt: Jedes physikalische „Ding“ existiert durch einen einzigen „obersten“ Regelprozess, so auch jedes Lebewesen durch seinen Achtsamkeitsprozess.

3. Unser zufriedenes Leben hängt von einer angenehmen Balance zwischen unserer Stabilität und unserer Entwicklung ab, die ganz individuell ist. Dies verbindet unseren Achtsamkeitsprozess mit Achtsamkeit und Yoga.

4. Anders ausgedrückt: Unser Wohlbefinden hängt entscheidend von der Balance zwischen unserem Achtsamkeitsprozess im Hier und Jetzt und unserem Achtsamkeitsprozess des Inhalts unseres (Nach-)Denkens ab, und darum dreht sich das Yoga.

5. Das Wissen um diese Balancen und deren Zusammenhänge kann uns Bewältigungsstrategien sichtbar und verständlich machen, ohne deren Wissen wir unserer Not leicht hilflos ausgeliefert sind.

Die Thesen bieten eine neue gemeinsame, naturphilosophische Perspektive auf die Physik und unser Leben. Diese Perspektive kann für uns grundlegende Zusammenhänge in der Natur — in unserer Natur — offenbaren und gibt uns Möglichkeiten zu erkennen, wie wir vielleicht unser Leben verbessern können. Die Thesen verdeutlichen uns, dass es großen Sinn machen kann, hierüber nachzudenken und die Einsichten zu diskutieren.

Was machen wir denn eigentlich, wenn wir Naturwissenschaft und Physik betreiben?

Um eine ganzheitlichere Betrachtung der Naturwissenschaft, und damit auch der Physik, zu ermöglichen, beleuchte ich diese Frage mal aus naturphilosophischer und wissenschaftsphilosophischer Perspektive. Diese Disziplinen beschäftigen sich ja mit fachübergreifenden Aspekten der Naturwissenschaften.

Demnach geht es in den Naturwissenschaften um die Strukturen der Dinge und deren Veränderungen: Wenn wir Naturwissenschaft betreiben dann zerlegen wir die Dinge in ihre Bestandteile, in der Hoffnung, dass sich diese Bestandteile einfacher verhalten als die Dinge. Ansonsten brächte die Zerlegung der Dinge ja keine großen Vorteile bei ihrem Verständnis.

Andersherum, zur Gegenprobe sozusagen, können in Modellen die Bestandteile wieder zu den Dingen zusammengesetzt und so in einen Zusammenhang gebracht werden. Wenn dabei sehr genau wieder die Dinge herauskommen, die wir zerlegt haben, dann haben wir die Dinge offenbar recht gut verstanden.

Was passiert also, wenn wir die Dinge zerlegen? Zerlegen wir die Dinge, dann geht ihr Zusammenhang und damit auch ein Stück Individualität verloren und dadurch verhalten sich die Bestandteile einfacher als die Dinge. Denken wir den Verlust an Individualität konsequent weiter, kommen wir zu dem Schluss, dass die Bestandteile sich immer ähnlicher werden müssen, je weiter wir die Dinge zerlegen. So muss sich auch die Bewegungsgeschwindigkeit der Bestandteile immer weiter angleichen und dabei können sie nicht in Ruhe sein. Die Einsicht, dass die Bestandteile nicht in Ruhe sein können, erschließt sich uns dadurch, dass physikalische Dinge nicht auf sinnvolle Weise von Bestandteilen gebildet werden können, die sich alle nicht bewegen. Denn dann wären alle Dinge völlig unveränderlich, was wir ja nicht erleben.

Eben genau diese konstante Geschwindigkeit beobachten wir tatsächlich in der Natur und sie kommt in der modernen Physik, in unseren Physiktheorien, zum Ausdruck. Sowohl in den Quantentheorien, als auch in der Relativitätstheorie ist im sehr Kleinen immer alles in konstanter, unaufhaltsamer Bewegung:

In der Quantenphysik sind die Wellen der Teilchen immer in Bewegung.

In der Relativitätstheorie ist das Licht immer in konstanter Bewegung.

Im völligen Kontrast dazu steht unsere heutige Alltagserfahrung: Im Alltag ist für uns moderne Menschen die Ruhe der Ausgangspunkt. Unsere gewohnten Denkmuster passen erstaunlicherweise wenig zu den tieferen Einsichten der modernen Wissenschaft über die Natur unserer Physik und unser Leben. Woher das rühren könnte ist eine interessante Frage, die sich sehr zu ergründen lohnt. Vielleicht kommen wir in der Diskussion noch dazu.

Etwas provokant würde ich sagen: Wir denken oft, damit sich etwas im Leben bewegt, müssten wir es ständig anstoßen. Dabei ist in unserem Leben, in jedem Lebenwesen, im Grunde alles immer in Bewegung, im Fluss, wie man in der Esotherik sagt; mal besser und mal weniger gut.

Wenn unsere Denkmuster über unser Leben nicht zu unseren tieferen Einichten zu unserem Leben passen, dann bekommen wir übrigens leicht Schwierigkeiten. Dies kommt, weil wir Schlüsse ziehen, die manchesmal so nicht stimmen.

Es ist übrigens äußerst interessant sich darüber Gedanken zu machen, was wohl genau passiert, wenn wir die Dinge zerlegen. Wie schon gesagt: Es geht dabei etwas verloren, nämlich ein Stück Zusammenhang und Individualität. Doch was kann das sein oder bedeuten? Dazu gerne einmal mehr in einem anderen Vortrag.

Was hat dies alles nun mit dem Leben zu tun?

Wie ich in meiner ersten These schreibe, hat die Physik mit dem Leben gemein, dass es sich in beidem um Stabilität und Entwicklung dreht. Aus meiner naturphilosophischen Sicht geht es um das Funktionieren der Strukturen, die die Dinge bilden, und dies meint deren Zusammenhang, eben deren Stabilität und Entwicklung.

In Bezug auf die Stabilität und die Entwicklung des Lebens gibt es ein erfolgreiches Prinzip in der Biologie, dass gut dazu passt: Aus Sicht der Biologie auf das Leben handelt es sich interessanterweise bei solchen Zusammenhängen um die stabilisierenden Regelprozesse der organischen Systeme, also der Organismen. Regelprozesse sind demnach die Grundlage der stabilen Existenz und Entwicklung jeden Lebens.

Die Entwicklung der Lebewesen geschieht auf Grundlage ihrer Stabilität, beinhaltet aber eben auch einen nachhaltig verändernden Aspekt, der immer einen erzeugenden oder zerstörerischen Charakter hat und schließlich auch in der Zerstörung des Lebens endet. Wichtige Regelprozesse des Lebens müssen diesen erzeugenden oder zerstörerischen Charakter also beinhalten.

Ist das Prinzip der organischen Regelprozesse auf die Physik übertragbar?

Wir können das Prinzip der Regelprozesse meiner Meinung nach nicht nur auf die Physik übertragen, sondern diese Übertragung ist sogar sehr interessant. Die Übetragung funktioniert, weil aus Perspektive der Physik die konstant bewegten Bestandteile in einem Ding zwei Aspekte ihrer Bewegungsrichtung haben, die zur Perspektive von Stabilität und Entwicklung sowie zum Prinzip der Regelprozesse erstaunlich gut passen. Die beiden Aspekte der Bewegung der Bestandteile in einem Ding sind:

absolute Stabilität / Existenz: Durch die Rotation im Ding.

Entstehung oder Zerstörung: Durch die geradlinige Bewegung im Ding.

Denn, wenn die Bestandteile im Ding sich nicht im Kreis bewegen, also dort drinne rotieren, dann fliegen sie davon und das Ding wird zerstört.

Eine Mischung der Aspekte Stabilität/Existenz sowie Entstehung/Zerstörung steht dann für die Entwicklung des Dings auf Grundlage seiner Stabilität. Übertragen wir das Prinzip der Regelprozesse auf die Physik, dann müssen die Regelprozesse, die der Elementarteilchen-Struktur zugrunde liegen, diese Aspekte in sich tragen.

Die Quanten-Fluss-Theorie

Die erste Analyse, was wir tun, wenn wir Naturwissenschaft und Physik betreiben, wird also durch die Hypothese, dass in der Physik wie auch im Leben alle Veränderungen zwei Aspekte haben, nämlich die Stabilität und die Entwicklung, entscheidend erweitert. Durch die Feststellung, dass diese Aspekte im Leben durch das Prinzip der Regelprozesse erklärt werden und dass Regelprozesse vermutlich auf die Physik übetragbar sind, eröffnen sich eine ganz neue Perspektive auf die Grundlagen der Physik.

Diese neue Perspektive ermöglicht aus meiner Sicht die Begründung einer neuen Physik, die einen ganzheitlichen Ansatz zum Verständnis und zur Erklärung aller heutigen Beobachtungen der Physik, aus einem einheitlichen Prinzip heraus, zu lässt. Diesen Ansatz verfolge ich mit der fraktalen Quanten-Fluss-Theorie.

Ein zentraler Regelprozess in jedem Ding, in jedem Lebewesen

Es ergibt sich eine Art von „organischer“ Physik. Taucht man hier tiefer ein, so wird klar, dass jedes Ding, jede Existenz und so auch jedes Lebewesen, genau einen einzigen zentralen Regelprozess in sich tragen muss, der seine Existenz, seine Stabilität und Entwicklung, organisiert und alle ihm untergeordneten Regelprozesse koordiniert.

Da stellt sich die Frage: Was ist der zentrale Regelprozess jedes Lebewesens? Und gibt es weitere Regelprozesse, die wir vielleicht überehen haben oder deren Bedeutung wir zu gering einschätzen? Darauf komme ich noch zu sprechen.

Was sind die generellen Eigenschaften von Regelprozessen?

Regelprozesse halten Parameter, also bestimmte Werte, in einem bestimmten Rahmen; also stabil oder auf einer Spur.

Regelprozesse in der Biologie des Menschen halten bestimmte Parameter in einem Rahmen:

den Sauerstoffpegel im Blut

den Blutdruck

den Blutzuckerspiegel

die Bewegung der Körperteile: Muskeln erzeugen eine, teils asymmetrische, anatomische Gegenspannung, um die Bewegung der Gliedmaßen zu kontrollieren.

Letztendlich werden alle Funktionen des Lebens so reguliert.

Wie wir beispielsweise an der Bewegung der Körperteile sehen können, wird bei einem Regelprozess die Stabilität durch Gegenspieler erzeugt — Agonist und Antagonist —, die etwas in einer Balance oder auf einer Spur oder Bahn halten. Diese Gegenspieler erzeugen also eine stabilisierende Spannung.

Regelprozesse in der klassischen Physik kann man demnach so verstehen, dass sie zum Beispiel die Bestandteile eines Systems auf einer Bahn halten:

Bei der Rotation unserer Erde um die Sonne wird die Bahn der Erde auf der Spur gehalten: Dies geschieht durch eine Balance zwischen der Anziehungskraft der Sonne und der Fliehkraft durch die Rotation der Erde.

Ganz allgemein können wir das Prinzips der Regelprozesse mit seinen Spielern und Gegenspielern in Newtons Prinzip von Aktion gleich Reaktion(Verweis) erkennen.

Wenn der Regelprozess also eine so grundlegende Rolle in unserer Welt spielt, weil er sowohl in der Biologie als auch in der Physik scheinbar überall zu finden ist, dann sollte der Regelprozess und seine generellen Eigenschaften uns überall in unserem Leben begegnen. Wir sollten offenbar unseren Blick diesbezüglich schärfen und können schauen, wo wir dieses grundlegende Prinzip der Organismen noch entdecken können.

Ich komme gleich darauf zurück und wir werden erkennen, dass bisher wohl übersehen wurde, dass sehr wichtige Eigenschaften unseres Lebens auch als Bestandteile eines zentralen Regelprozesses unseres Lebens zu verstehen sind.

Entwicklung ist auch eine Balance

Oben habe ich festgestellt, dass die Entwicklung nur auf Basis einer Stabilität stattfinden kann. Eine Entwicklung ist eine Mischung der Veränderungsaspekte von absoluter Stabilität mit einem Anteil von Entstehung/Zerstörung. So ergibt sich eine relative Stabilität, die eine Fortentwicklung ist, weil sich grundlegendes ändert, es aber nicht ganz zerstört wird.

Jede Entwicklung eines Dings der Physik ist folglich eine Mischung aus der Rotation seiner Bestandteile und ihrer geradlinigen Bewegung im Ding. Die Bestandteile bewegen sich also immer in Form einer helixförmigen Spiralbahn. Dieses Bewegungsmuster finden wir überall in der Physik und im Leben wieder.

Die Entwicklung aller Dinge, so auch aller Lebewesen, findet immer in einem Spannungsfeld von absoluter Stabilität und Entstehung/Zerstörung statt. Es handelt sich um eine Balance zwischen diesen beiden Aspekten der Veränderung der Dinge. Wir müssen also Gegenspieler in uns tragen, die dieses Verhältnis in unserer Entwicklung ausbalancieren.

Hier kommt Yoga als Hilfe bei unserer inneren Balance ins Spiel

In Bezug auf das menschliche Leben kommt hier Yoga ins Spiel: Denn Yoga verändert körperliche und psychische Spannungen, die zur Balance unserer Entwicklung gehören, also zur Balance zwischen unserer Stabilität und unserer Entstehung/Zerstörung. Dazu später mehr.

Resümee bis hierher aus naturphilosophischer Sicht

Elementarteilchen und Lebewesen sind sich demnach in mancherlei Hinsicht durchaus ähnlich. Was schließlich auch nicht sehr verwunderlich ist, bestehen wir doch aus Atomen und diese aus Elementarteilchen. (Da muss etwas mehr kommen warum!!!)

Auffällig ist, dass sich sowohl das Verhalten von Elementarteilchen als auch das der Lebewesen nur statistisch erfassen lässt. Dies kommt in beiden Fällen, weil sich hier keine individuellen Voraussagen machen lassen, denn wir durchschauen die Zusammenhänge nicht in jedem Detail.

Steine und andere unbelebte Dinge verhalten sich da ganz anders. Dies kommt, weil hier auf oberster Strukturebene die Regelprozesse so harmonisch ausbalanciert sind, dass diese Dinge als tot erscheinen. Wenn wir uns im nächsten Abschnitt mit dem zentralen Regelprozess des Lebens befassen, dem Achtsamkeitsprozess, dann wird noch deutlicher, warum dies so ist.

Das Spannungsspiel des Lebens

Auf Basis der gerade entwickelten gemeinsamen naturphilosophischen Prinzipien der Physik und des Lebens entwickle ich eine Natur- und Lebensphilosophie, die ich das ›Spannungsspiel des Lebens‹ nenne. Hierin steht die Erkenntnis im Mittelpunkt, dass jedem Lebewesen ein einiger, zentraler Regelprozess zugrunde liegt. Der im Folgenden beschriebene Achtsamkeitsprozess ist dieser zentrale Regelprozess jedes Lebewesens, meiner Naturphilosophie des Lebens.

Schauen wir aufmerksam aus der Perspektive von Regelprozessen auf die Zusammenhänge das Lebens, können wir noch weitere Regelprozesse finden. Es muss noch einen Lebewesen übergreifenden Regelprozess geben, der dafür sorgt, dass die Mitglieder einer Fortpflanzungsgemeinschaft, also einer Art, zusammen finden.

Die Lebensgemeinschaft des Lebens auf der ganzen Erde kann auch als ein Organismus verstanden werden. Denn alle Lebenwesen beeinflussen sich mehr oder weniger gegenseitig und sind teils stark, teils schwach voneinander abhängig. Ohne den Sauerstoff der Pflanzen können wir nicht überleben, die Pflanzen aber auch nicht ohne unser Kohlendioxid. Bäume, oder allgemeiner Pflanzen, verströmen Aerosole, die wolkenbildend wirken und schließlich zu Regen führen.(Verweis) Dieser Regen fällt aber kaum auf die Bäume, die den Regen mitinitiiert haben. Also helfen sich die Bäume und Pflanzen gegenseitig und damit auch den Landtieren und so weiter. Insgesamt nähert sich durch diesen Regelprozess die Gemeinschaft der Lebewesen auf der Erde einem Zustand, in dem alle Lebewesen recht gut zueinander passen, dass man gemeinsam gut als Artengemeinschaft überleben kann. Diesen Regelprozess nennen wir Evolution der Arten(Verweis) und er bestimmt das Ökosystem der Erde.

Solche übergeordneten Regelprozesse enthalten die Achtsamkeitsprozesse der einzelnen Lebewesen als Unterprozesse. Die Evolution der Arten ist wiederum ein Bestandteil des Regelprozesses, der unsere Erde als ganzes existieren lässt. Zu ihm gehört ganz zentral der Regelprozess, der der Erdgravitation zugrunde liegt. Die Evolution der Arten ist aber so stark von der Energiezufuhr der Strahlung unserer Sonne abhängig, dass wir die Evolution eigentlich im Sonnensystem denken müssen.

Die neue Perspektive und die durch sie sichtbar werdende Verbindung zwischen der Physik und dem Leben ermöglicht nicht nur die Übertragung von Prinzipien des Lebens, wie den Regelprozess und seine Eigenschaften, auf die grundlagen der Physik, sondern auch in umgekehrter Richtung.

So lässt sich beispielsweise das Prinzips des Symmetriebruchs(Link, Verweis) der Physik mit seinen sich aus ihm ergebenden Polen und Wechselwirkungen im Leben als Lebensbrüche und den aus ihnen sich ergebenden Antrieben wiedererkennen. So werden schließlich sogar Zusammenhänge zwischen der Physik und der Psychologie(Link) sichtbar.

Der Achtsamkeitsprozess

In meinen Augen ist bisher ein entscheidender Regelprozess des Lebens übersehen worden. Dieser wurde mir nach und nach beim Praktizieren des Yoga deutlich, währenddessen ich immer wieder aufmerksam in mich hineinhorchte, was dabei wohl in mir passiert. Da ich aufgrund der von mir entwickelten Physik gewohnt war in Regelprozessen zu denken, hatte ich hierfür ein sensibles Gespür entwickelt.

Dieser „oberste“ Regelprozess des Lebens verbindet unsere Gefühle zu unserer Lebenssituation, mit den Antrieben und Handlungen, die diese Gefühle erzeugen, und dann wieder mit unserer neuen Lebenssituation, und so fort, in einem Kreislauf. Durch die Wahrnehmung des Kreislaufs erlernen wir dessen Zusammenhänge. Und das erlernte nimmt schließlich wieder einen Einfluss auf den zukünftigen Kreislauf.

Von mir Achtsamkeitsprozess genannt, kann er als Regelprozess des Wohlbefindens und Überlebens durch erlernte Handlung beschrieben werden. Was muss ich tun, damit es mir gut geht und ich nicht sterbe? Oder ganz einfach: Ich lerne Leben.

Das Besondere am Achtsamkeitsprozess ist, dass er im Prinzip alle Regelprozesse unseres Lebens bündelt und in einem Prozess des Lebens zusammenführt. Damit ist die Entwicklung unserer Psyche zum Beispiel ein Teil unseres Achtsamkeitsprozesses. Die Bündelung ist gegeben, weil unsere Gefühle mit all unseren Regelprozessen direkt oder indirekt verknüpft sind und unsere Handlungen, die unseren Gefühlen entspringen, inklusive unserer inneren Handlungen, wie zum Beispiel dem Denken, auf all diese Regelprozesse unseres Lebens einwirken.

Der Achtsamkeitsprozesses beinhaltet so:

Try-Success-And-Error (herkömmlich Try-And-Error genannt)

›Erkenne dich selbst‹

›Erkenne deine Umwelt, dein Gegenüber‹

die Entwicklung unserer Psyche

unsere Persönlichkeitsentwicklung

unsere körperliche Entwicklung

lebenslanges Lernen

Spielen

»Ich fühle, handle und lerne, also bin ich.«

Mitgefühl, Empathie und soziales Handeln

Unsere körperliche Entwicklung und auch das Spielen sowie Mitgefühl und Empathie sind also ganz klar Teil des Achtsamkeitsprozesses. Und da lässt sich natürlich noch vieles andere finden.

Unterprozesse des Achtsamkeitsprozesses

Der Achtsamkeitsprozess selber lässt sich weiter in spezielle Achtsamkeitsprozesse unterteilen:

Achtsamkeitsprozess unseres Hier und Jetzt: Was wir gerade jetzt tun und unsere direkten Gefühle dabei. Dies umfasst auch die Handlung unseres Denkens.

Achtsamkeitsprozess des Inhalts unseres Denkens: Also das an was wir denken und unsere Gefühle dazu. Wir rufen dabei Erinnerungen ab, verknüpfen diese möglicherweise mit unserem Hier und Jetzt, mit unserer Gegenwart, und haben möglicherweise Ahnungen, Intuition und Schlussfolgerungen zur Zukunft.

Achtsamkeitsprozess unserer Selbstreflexion: Dies ist die Beobachtung eines unserer Achtsamkeitsprozesse und unsere Gefühle dazu. Dies umfasst auch unser Mitgefühl und unsere Empathie mit uns selber und mit anderen.

Unser Achtsamkeitsprozess ist also ein komplexes Gebilde, stellen wir fest, wenn wir ihn näher beleuchten. Der Achtsamkeitsprozess unserer Selbstreflexion kann eine Kaskade von Achtsamkeitsprozessen hervorbringen und macht sichtbar, dass es sich in gewisser Weise um eine selbstähnliche, also fraktale, Struktur handelt.

All diese Achtsamkeitsprozessese stehen miteinander in Konkurrenz um unseren Fokus der Aufmerksamkeit. Die Balance in der Aufmerksamkeit, die diesen Achtsamkeitsprozessesen zu teil werden, spielt in der Psychotherapie und auch im Yoga eine wichtige Rolle. In beiden Fällen geht es darum besser leben zu lernen oder im Extremfall wieder zu lernen leben zu lernen.

Disziplin übergreifende Zusammenhänge

Der Achtsamkeitsprozess macht Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Disziplinen sichtbar:

Physik, Chemie, Biologie (Naturwissenschaften)

Psychologie, Psychosomatik und Lernen (Persönlichkeitsentwicklung, Lern- und Verhaltenspsychologie)

Informatik, künstliche Intelligenz

klassische Medizin, alternative Medizin und Heilkünste

Yoga und vieles ähnliche (gesundheitsfördernde Praktiken)

Philosophie, Buddhismus

Ethik, Soziologie (Sozial- und Gesellschaftswissenschaften)

Durch die gewonnene, neue Perspektive auf die Physik und das Leben gewinnt die Naturwissenschaft noch mehr Bedeutung als dies schon bisher der Fall ist. Und der Fokus der Naturwissenschaft liegt nicht mehr so stark auf der Zerlegung der Dinge, die wir erklären wollen, und dem Verständnis der gefundenen Bestandteile. Der Fokus richtet sich nun noch deutlich mehr auf die Erklärung der Zusammenhänge zwischen den Bestandteilen der Dinge, der Zusammenhänge im Ganzen. Die Naturwissenschaft wird so ganzheitlicher und den Menschen noch dienlicher.

Die so sichtbar werdenden Zusammenhänge zwischen den Disziplinen ermöglichen vermutlich weitere Übertragungen von Prinzipchen zwischen ihnen und wahrscheinlich weitere Einsichten und Erklärungsansätze von Phänomenen, die man bisher nicht gesehen oder nur erahnt hat. Die Möglichkeiten für die Wissenschaft, Phänomene zu erklären, werden so sicherlich erheblich zunehmen. Ihre eingangs erwähnte Beschränkung reduziert sich durch die geschilderte Erweiterung des Fokus auf Disziplin übergreifende Zusammenhänge. Ihre gestiegene Bedeutung für unseren Lebensalltag wird offensichtlich und das möchte ich im weiteren Verlauf noch mehr sichtbar machen.

Achtsamkeit

Warum ich den zentralen Regelprozess des Lebens Achtsamkeitsprozess nenne wird klarer, wenn ich im Folgenden näher beleuchte, was wir unter Achtsamkeit verstehen können.

Die Definition des Begriffs Achtsamkeit ist nicht so simpel und immer ein Ringen darum, sich möglichst klar und hinreichend genau auszudrücken. Und es braucht etwas Zeit zu verstehen, was damit genau gemeint ist und wie als auch warum es so funktioniert oder funktionieren könnte.

Nach heutigem Verständnis hat Achtsamkeit zwei Bedeutungen, die eine Menge miteinander zu tun haben:

Achtsamkeit als Pflege, Sorge oder Fürsorge im Sinne der Aufmerksamkeit für andere (englisch: care, attentiveness)

Achtsamkeit als Aufmerksamkeit, Gewahrsein, Bewusstsein (englisch: mindfulness — being conscious or aware of something)

Definitionen von Achtsamkeit gibt es einige. Alleine auf Wikipedia findet man vier Definitionen aus medizinisch, (psycho-)therapeutischer Sicht und eine aus buddhistischer Sicht.

Achtsamkeit nach Kabat-Zinn

Am bekanntesten ist bei uns die Definition von Jon Kabat-Zinn, die sich auf die von ihm eingeführte Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR). Sie lautet in Kurform in etwa so:

» Eine der in der Forschungsliteratur am häufigsten zitierten Definitionen stammt von Jon Kabat-Zinn. Demnach ist Achtsamkeit eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit, die
• absichtsvoll ist,
• sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht […], und
• nicht wertend ist. «

Längeres Zitat von Kabat-Zinn

» Achtsamkeit ist eine wesentliche Richtung der Meditationspraxis — auch bekannt als Vipassana oder Einsichts-Meditation. In der Übung von Achtsamkeit macht man anfangs Gebrauch von einer einsgerichteten Aufmerksamkeit, um Ruhe und Beständigkeit zu kultivieren, doch anschließend geht man darüber hinaus, indem man die Objekte der Beobachtung erweitert, sowie ein Element des Erforschens einbringt. Wenn Gedanken oder Gefühle entstehen, ignoriert man sie nicht, noch unterdrückt man sie, noch analysiert oder beurteilt man ihren Inhalt. Stattdessen betrachtet man sie, absichtlich und so gut man kann, ohne sie zu bewerten, wie sie von Moment zu Moment als Ereignisse im Feld des Gewahrseins entstehen.

Ironischerweise führt diese umfassende Wahrnehmung der Gedanken, die im Geist entstehen und vergehen, dazu, dass man sich weniger in ihnen verstrickt. Der Beobachter erhält einen tieferen Einblick in seine Reaktionsweisen auf das Alltägliche und auf Schwierigkeiten. Indem die Gedanken und Gefühle aus einem gewissen Abstand heraus betrachtet werden, kann klarer erkannt werden, was tatsächlich im Geist abläuft. Es wird gesehen, wie ein Gedanke nach dem anderen entsteht und vergeht. Man kann den Inhalt der Gedanken benennen, die Gefühle, die mit ihnen verbunden sind und dann auch die Reaktionen auf diese Gefühle. Vielleicht wird man sich so der Absichten, Verhaftungen, Vorlieben, Abneigungen und Unstimmigkeiten bewusst, die sich in den eigenen Ideen verbergen. So können wir Einsichten gewinnen: was uns antreibt, wie wir die Welt sehen, was wir denken und wer wir sind — Einsichten somit in unsere Ängste und Wünsche.

Der Schlüssel der Achtsamkeitspraxis liegt nicht so sehr im Objekt unserer Aufmerksamkeit, sondern in der Qualität der Aufmerksamkeit, die wir jedem Moment entgegenbringen. Außerordentlich wichtig ist, dass die Aufmerksamkeit einem stillen Zusehen, einem unparteiischen Beobachten gleicht, das nicht bewertet oder die inneren Erfahrungen ständig kommentiert. Ein reines, urteilsfreies Wahrnehmen der Moment-zu-Moment-Erfahrung hilft uns zu sehen, was in unserem Geist geschieht, ohne dies zu verändern oder zu zensieren, ohne es zu intellektualisieren oder uns in unaufhörlichem Denken zu verlieren.

[…] «

Achtsamkeit im Buddhismus

Achtsamkeit ist eine meditative Grundpraxis im Buddhismus. Achtsamkeit hat zwei Facetten: Zum einen meint sie die Fähigkeit des Geistes, sich vollständig gewahr zu sein, was in ihm gegenwärtig ist; also seine eigenen Inhalte aufmerksam wahrnehmen zu können. Zum anderen, als rechte Achtsamkeit, meint sie die Fähigkeit des Ziels der Befreiung vom Leiden zu dienen.

Yoshiharu Matsuno formuliert es noch etwas anders:

» Buddha lehrt eigentlich nicht die Bedeutung von Achtsamkeit, sondern er lehrt Mitgefühl. Mitgefühl ist ein anderer Ausdruck dafür, Achtsamkeit zu leben. Achtsamkeit heißt ja eigentlich: Wie ist meine Position in der Umgebung, wo ich stehe, was mache ich mit meinem Gegenüber? Achtsamkeit ist identisch mit Mitgefühl und daraus entsteht die konkrete Handlung. Mitgefühl ohne Handlung ist kein Mitgefühl. Und Achtsamkeit ohne Handlung ist keine Achtsamkeit. «

Matsuno formuliert also eher aus der Perspektive der Achtsamkeit als Pflege, Sorge oder Fürsorge.

Achtsamkeit im Yoga

Aus der Sicht des Yoga wird vieles recht ähnlich gesehen. Demnach ist Achtsamkeit:

ein geistiger Zustand

aufmerksame Bewusstheit im Hier und Jetzt

gesteigerte Aufmerksamkeit

kein Analysieren, sondern Erfahren

kein bewusstes Erzeugen von Gedanken oder Gefühlen

kein Beurteilen

sondern Annehmen von allem, was kommt

keine Identifikation mit den Inhalten

möglichst neutrales Beobachten

innerer Abstand

ein Verhaltenskodex gegenüber anderen und gegenüber sich selber (im Ashtanga Yoga(Verweis auf Wikipedia, Ashtanga (Vinyasa) Yoga, und/oder Yogawiki, Ashtanga-Yoga) — achtgliedriger Pfad)

Achtsamkeit und achtsames Verhalten gegenüber sich selber und gegenüber anderen ist aus der Sicht des Yoga kultivierbar und damit eine Tugend.(Verweis auf Yogawiki - 20180123)

Das Kinomodell

Im Kinomodell der Fast-Phobia-Technik, einer therapeutischen Technik im Neuro-Linguistischen Programmieren(Verweis auf Neuro-Linguistisches Programmieren — Wikipedia - 20180213) (NLP), lässt sich Achtsamkeit und der Achtsamkeitsprozess sehr gut in unserer Vorstellung verbildlichen.

In der Verbildlichung befinden wir uns in einem Kinosaal. Auf der Leinwand läuft, das, was wir gerade Wirklich erleben und unsere Gefühle, als Film ab; wir in unserem Hier und Jetzt. Wir sitzen im Kinosessel und gucken unseren Film, aus der Beobachterdistanz als Reflexion, und haben mehr oder weniger Gefühle dazu, wenn wir den Film betrachten. In einer doppelten Beobachterdistanz — zweite Reflexionsebene — sehen wir aus dem Vorführraum heraus, wie wir wir im Kinosessel sitzen und Gefühle zu dem haben, was wir auf der Leinwand sehen. Auch im Vorführraum haben wir mehr oder weniger Gefühle zu dem, was wir da so wahrnehmen.

Wir sehen leicht, wie gut dieses Modell zum komplexen Achtsamkeitsprozess passt.

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion im Kinomodell

Bei der nach Kabat-Zinn, im Kinomodell veranschaulicht, geht es darum einen Weg zu finden, aus dem Kinosessel heraus die Leinwand nicht so sehr emotionalisiert zu betrachten. Sondern eher neutral wahrzunehmen, was in unserem Leben in bestimmten Situationen passiert und welche Gefühle wir direkt zum Geschehen haben. Es geht also nicht darum, wie manchesmal missverstanden wird, unsere direkten Gefühle zu dem, was in unserem Leben passiert, herunterzufahren. Denn diese Gefühle sind wichtig! Es geht vielmehr darum einen Weg zu finden, unsere Situation mit den direkten Gefühlen aus eine gewissen Distanz heraus möglichst neutral zu betrachten und eine Art von Bestandsaufnahme unserer Lebenszusammenhänge zu machen.

Das Geschirrspülmaschinenbeispiel:

Auf der Leinwand räume ich die Geschirrspülmaschine aus und ärgere mich darüber, dass ich dies viel öfter tue, als mein Partner.

Im Kinosessel sitzend beobachte ich, was mir immer wieder geschieht, und bin traurig darüber, dass ich mich so oft ärgern muss.

Kabat-Zinn stellt fest, dass das Gefühl im Kinosessel, meine Traurigkeit, meine Lösung des Problems mit meinem Ärger auf der Leinwand, mit meinem Ärger beim Ausräumen der Geschirrspülmaschine, beeinträchtigt. Schaffen wir es, das Traurigkeitsgefühl nicht so in den Vordergrund zu haben oder es loslassen zu können, dann bekommen wir besser Ideen und Intuitionen, wie wir das Problem auf der Leinwand lösen können. Oder wir bemerken, dass wir uns gar nicht ärgern müssen, weil es gar nicht so relevant ist.

Aus der Perspektive des Achtsamkeitsprozesses kann man analysieren:

Gefühle können Antriebe erzeugen und sind damit potenzielle Handlungsaufforderungen. Um das Problem zu lösen oder seine Irrelevanz zu erkennen müssen wir handeln. Handeln tun wir dort, wo unser Fokus liegt. Doch wir haben zwei intensive Gefühle, die um unsere Wahrnehmung und Handlung konkurrieren. Steht die Traurigkeit im Kinosessel in unserem Fokus, fordert deren Lösung eigentlich zu einer Handlung in mir selber auf, weil das Gefühl zur Tätigkeit meiner Beobachtung gehört. Ich soll eigentlich etwas an meiner Beobachtung ändern.

Ist unsere Selbstwahrnehmung nicht differenziert genug, dann glauben wir leicht, unsere Traurigkeit gehöre, wie unser Ärger, zum Ausräumen der Maschine. Dies ist aber nur indirekt der Fall und nicht direkt. Diese verkehrte Verknüpfung von der Handlung des Ausräumens mit dem Gefühl zur Beobachtung, also der Reflexion, meines Lebens führt dazu, dass unsere angeborenen und erlernten „Programme“ zur Problemlösung nicht selten versagen.

Doppeldeutige Achtsamkeit

Eine Schwierigkeit des Begriffs Achtsamkeit ist seine doppeldeutig. In den oberen Definitionen und im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Achtsamkeit mal den Weg zu einem möglichen Ziel, als auch das Ziel selbst. Mal wird achtsames Verhalten beschrieben, also Achtsamkeit als Weg. Mal wird beschreiben, welches Verhalten zur Achtsamkeit führen kann, also Wege zum Ziel der Achtsamkeit. Das führt auf den ersten Blick zu einem logischen Problem und Widerspruch im Begriff. Ich formuliere es mal so:

Wir müssen uns demnach achtsam verhalten, um Achtsamkeit zu erreichen.

Wenn das, was ich tun muss, um ein Ziel zu erreichen, jenes ist, was ich beim Erreichen des Ziel erst zu tun in der Lage bin, dann ist dies so unmöglich.

Sprechen wir heute über Achtsamkeit, so sollten wir klären, ob wir über das mögliche Ziel sprechen oder über den Weg dort hin. Ansonsten reden wir leicht aneinander vorbei und verheddern uns schnell in frustrierten Verwirrungen. Und auch als mögliches Ziel kann Achtsamkeit nur allgemein definiert werden und wir sind gezwungen die Individualität, die die Achtsamkeit zwingend für jeden Menschen in sich tragen muss, unberücksichtigt zu lassen.

Der Achtsamkeitsprozess soll daher ein Begriff für den Weg sein, für einen möglichen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, der uns näher zu unserer individuellen Achtsamkeit bringen kann.

Achtsamkeit ist unsere Natur — Achtsamkeit als Weg und Ziel in Einem

Achtsamkeit als Weg und Ziel gleichzeitig erscheint zunächst unmöglich. Es sei denn, es handelt sich bei Achtsamkeit um etwas, dass wir seit unserer Geburt können, also gar nicht erlernen müssen. Dann könnten Weg und Ziel in gewisser Hinsicht identisch sein und es müsste sich um einen dynamischen Prozess handeln, den Achtsamkeitsprozess. Aus dieser Sicht ginge es schlicht nur darum, warum unser Achtsamkeitsprozess — also unsere Achtsamkeit —, gerade nicht so gut funktioniert, wie er wohl könnte. Es geht dann darum, was unseren Achtsamkeitsprozess in seiner Funktion beeinträchtigt oder stört; wie wir ihre Funktion wieder verbessern können. Darauf komme ich gleich noch zurück.

Diese Sichtweise der Achtsamkeit als Achtsamkeitsprozess, den wir schon seit unserer Geburt in uns tragen, erscheint mir am plausibelsten. Und sie passt am besten zum Achtsamkeitsprozess als den zentralen Regelprozess eines jeden Lebewesens. Das „Ziel“ individuelle Achtsamkeit würde mit der Persönlichkeitsentwicklung etwas variieren; mit der Wegstrecke, die wir im Leben zurückgelegt haben. Denn die Achtsamkeit eines Säuglings, Babys oder Kindes wäre im Rahmen seiner Möglichkeiten, des von ihm Erfahrenen und Erlenten, etwas graduell anderes, als die Achtsamkeit eines älteren Menschen mit viel Lebenserfahrung.

Der Weg wäre der Achtsamkeitsprozess und das Ziel wäre dann ein besser funktionierender Achtsamkeitsprozess — besser Leben lernen. Also zu lernen, wie wir ein angenehmes und zufriedenes Leben immer besser erlernen und leben können. Dieses Leben wäre nach meiner Erfahrung und Einschätzung eher vielseitig und interessant und nicht unbedingt letargisch und faul. Denn Achtsamkeit sucht die Leichtigkeit in der Spannung und nicht die Vermeidung von Anstrengung und von jeder Form von Stress.

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Was befördert und was stört unseren Achtsamkeitsprozess

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XXX XXX XXX XXX Angebliches Zitat von Max Born: »Erst wenn der Verstand wieder die Rolle hat, die ihm zukommt, nämlich der Vernunft, die auf den Fluss des Lebens hört, zu dienen, werden wir der Einfachheit desselben wieder gewahr werden.« (Nassim Haramein. Die Entschlüsselung des Universums. 1. Aufl. 2011. Hesper Verlag, Saarbrücken. Originaltitel: Crossing The Event Horizon. ISBN: 978—3-9813262-7-7.) XXX XXX XXX XXX

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Das Naturphilosophie-Yoga (NaPhil-Yoga)

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In Arbeit … XXX XXX XXX XXX XXX XXX XXX XXX XXX


Fußnoten

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1. Siehe Seite Was ist Physik?.
2. Siehe Seite Was ist Physik?.
3. »Mit Psyche wird […] heute vorwiegend die „subjektive“ oder „innere“ Erlebensseite des — im Ganzen auch Handeln und sonstiges Reagieren einschließenden — Gegenstandsbereichs der Psychologie gemeint. Sie wird vor allem in der Tiefenpsychologie einschließlich des dabei nicht (immer) Bewussten oder „Unbewussten“ zu erfassen versucht und in verschiedenen Ordnungs- oder Erklärungsmodellen dargestellt.«, Wikipedia, Psyche.
4. Vgl. Wikipedia, Achtsamkeit (mindfulness).
5. Wikipedia, Achtsamkeit (mindfulness), Definitionen von Achtsamkeit, Achtsamkeit nach Kabat-Zinn.
6. Kabat-Zinn, Was Achtsamkeit ist.
7. Vgl. Wikipedia, Achtsamkeit (mindfulness), Geschichte des Begriffs, Achtsamkeit im Buddhismus.
8. (Verweis konkretisieren: Yoshiharu Matsuno in Forum 220, S. 16)
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Stand 26. Januar 2019, 13:00 CET.